Romantik pur zwischen einem New Yorker Musiker und einer Belgrader Lehrerin

29. August 2010 · Thema: Hintergrund & Zusammenhang

Text: Jelena Milosevic

Here & There (serb. Titel: Ovde i tamo) ist ein wirklich gelungenes Liebesmeisterwerk, das zeigt, dass Liebe und Verliebtsein keine Grenzen kennt – weder geographische, noch sprachliche und vor allem keine altersbedingten Grenzen. 

Darko Lungov gelingt es, zwei Städte – Belgrad und New York – bildlich so miteinander zu verweben, dass es an manchen Stellen nicht klar ist, welche Stadt gerade gezeigt wird. Die Geschichte ist so simpel wie realistisch: Branko, ein junger serbischer Auswanderer versucht, sich in New York selbstständig zu machen. Dabei trifft er völlig unverhofft auf den New Yorker Musiker Robert (David Thornton), den er bittet, nach Belgrad zu reisen und dort Brankos Freundin zu heiraten, um ihr dadurch ein Visum für die USA zu verschaffen. Nach kurzem Überlegen und gegen Geld willigt Robert ein, reist in ein ihm bis dahin völlig unbekanntes Land und bleibt während einer Woche bei Brakos Mutter, Olga (Mirjana Karanović – in der Schweiz bekannt aus ‚Das Fräulein’), untergebracht. Robert und Olga kommen sich näher, die Atmosphäre dieser teenagerähnlichen Verliebtheit wechselt zwischen jugendlicher Überschwänglichkeit und erwachsenem Realismus und der Tatsache, dass diese Liebe nicht verwirklicht werden kann. Robert hält sein Versprechen schliesslich ein und heiratet Ivana, die beiden fliegen nach New York, wo Branko auf beide wartet. Ivana ist überwältigt von Big Apple, meint, es sei schöner als in den Filmen. Roberts Kommentar ist lapidar: „But New York is not Belgrade.“ Lieber wäre er bei Olga geblieben, hätte seine wiedergefundene Lebensfreude dort genossen.

Der Regisseur lässt es sich neben dieser wunderschönen Liebesgeschichte nicht nehmen, einige Vorurteile realistisch darzulegen: Robert wird repräsentativ für alle Amerikaner auf die Bombardements der NATO von 1998 angesprochen. Er freundet sich aber auch mit einem Jugoslawien-Nostalgiker an, der in seiner Wohnung alle Schätze der kommunistischen Zeit hütet. Es werden alle wichtigen Themen angesprochen, die noch immer aktuell in Serbien sind: Die ewig andauernde „Transition“ aus dem Kommunismus über den Krieg in den Kapitalismus; die noch nicht verarbeiteten Bombardements der NATO; das eingebrannte Gefühl, von der ganzen Welt (inkl. und v.a. den USA) gehasst zu werden. Roberts Reaktion – er reagiert gar nicht auf die Fragen, da er keine Antworten weiss und wahrscheinlich gar keine Meinung dazu hat, schliesslich kannte er bis vor kurzem das kleine südosteuropäische Land überhaupt nicht – erinnert daran, dass nicht einer für etwas herangezogen werden kann, womit er gar nichts zu tun hat. Er als einzelner Amerikaner hat nichts mit der NATO und Clintons Entscheidung zu tun, er hasst Serbien nicht, zumal er es bis dahin noch nicht einmal kannte, er hat überhaupt keine Meinung und hat nie etwas entschieden. Erinnern wir uns daran, dass nicht einzelne Menschen eine Regierung, eine Organisation oder ein Land repräsentieren und nicht wegen ihrer Herkunft für etwas verantwortlich gemacht werden dürfen, womit sie gar nichts zu tun haben! 

Weiterführende Links:

http://www.tagblatt.ch/aktuell/kultur/tb-sk/-Wir-sind-wie-Teenager-;art188,1587668

http://www.art-tv.ch/6027-0-ch-kino–here–there.html

http://www.cineman.ch/movie/2009/HereAndThere/review.html

0 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar!

You must be logged in to post a comment.