Filmkritik zu “Honeymoons”: grosses serbisch-albanisches Kino!
Text: Jelena Milosevic
Der Film Honeymoons erzählt die Geschichte eines serbischen und eines albanischen Liebespaares. Beide haben sich zum Ziel gesetzt, den Balkan zu verlassen und in Westeuropa Fuss zu fassen. Auf den ersten Blick verbindet Serbien und Albanien – genauso wie die beiden Paare – rein gar nichts, denn zwischen Serbien und Albanien gab es in der Neuzeit niemals einen bewaffneten Konflikt. Einziger Verbindungspunkt (auch geographisch gesehen) ist der Kosovo.
Die beiden Paare verbindet allmählich mehr – der Wunsch, im Westen ein besseres Leben zu führen und die Sehnsucht nach Europa. Bevor sie die Erfahrung machen müssen, dass Europa sie nicht mit offenen Armen empfängt – das albanische Paar überquert das adriatische Meer mit einer Fähre und trifft auf europäischen Boden in Italien; das serbische Paar übertritt die serbisch-ungarische Grenze mit dem Zug, um nach Wien zu gelangen – verbringen die beiden Paare einige Tage in ihren Heimatländern. Die Szenen, beispielsweise eine Hochzeit Neureicher in Tirana und eine traditionell-ländliche in einem serbischen Dorf, rufen dem Zuschauer die Gemeinsamkeiten in Erinnerung, welche die Menschen häufig verleugnen. Auf beiden Hochzeiten wird festlich ein Spannferkel präsentiert, es wird live Folkloremusik gesungen, die Menschen feiern ganz ähnlich. Einen Höhepunk auf der albanischen Hochzeit bildet ein altes serbisches Lied, welches angetönt wird und zu welchem praktisch die gesamte Hochzeitsschar tanzt. Nicht verwunderlich scheint in dieser Situation, dass sich einige Gäste über den Kosovo und die kürzlich getöteten italienischen KFOR-Soldaten unterhalten. Für einige Albaner ist klar, dass es die Serben waren, für einige Serben ist auf der serbischen Hochzeit klar, dass die albanischen Kosovaren die Soldaten getötet haben. In beide Diskussionen mischen sich allerdings auch Menschen, die daran erinnern, dass man noch gar nicht weiss, wer daran Schuld ist. Schliesslich müssen die beiden Paare feststellen, dass ihnen Rassisten in Europa das Leben schwer machen – das, wovon sie geflohen sind, ist nicht eine Eigenheit des Balkans, sondern existiert auf der ganzen Welt.
Der Film zeigt sehr schön, wie Vorurteile auf beiden Seiten bestehen, wie ein gewisser Teil der Bevölkerung von vornherein die andere Seite beschuldigt und, wie aber auf beiden Seiten Menschen darauf aufmerksam machen, dass man so lange unschuldig ist, bevor die Schuld bewiesen werden konnte. Ein herrlicher Film über das Gleich- und Anderssein verschiedener Völker und nicht nur deshalb empfehlenswert, sondern auch wegen der schönen Bilder der beiden Länder, auch wenn die Völker nicht immer im bestem Licht präsentiert werden – aber Realität ist eben nicht Utopie!
Spieldaten:
- Bern: jetzt im Kellerkino
- St. Gallen: jetzt im Kino
- Olten: 19. bis 23. August
- Solothurn: 31.10. bis 3.11.
Weitere Infos auf: http://www.trigon-film.ch/de/movies/Honeymoons
